073. Bäcker

Herr Muster’s Wecker schellt nun schon
des Nachts um ein Uhr dreissig.
Als bester Bäcker der Nation
ist er jetzt wach und fleissig.

Er mischt und knetet seinen Teig
nach alten Traditionen.
Der Duft führt auf dem Bürgersteig
zu Halluzinationen.

Denn manche Zutat ist recht stark
und öffnet das Bewusstsein.
Isst man sein Backwerk jeden Tag
gibt’s Zwicken links vom Brustbein.

So fand manch Kunde schon den Tod,
weshalb den Job verlässt er.
Fortan steht er in Lohn und Brot
als Lebensmitteltester.

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072. Atomkraft-Lobbyist

Herr Musters neustes Hobby ist:
Er fördert die Atomkraft
und kämpft fortan als Lobbyist,
für das, was starken Strom schafft.

Er spannt sein Interessennetz
und fordert unumwunden:
“Pro Kopf ein Brennstab per Gesetz!”
in Talk- und Bierzeltrunden.

Doch auf ‘nem Anti-Sun-Protest,
wo er ein Plädoyer hält,
gibt ihm ein Windrad sanft den Rest,
das jäh auf seinen Zeh fällt.

“Verflixt noch mal, ich hab es satt!”
ruft er mit viel Gemecker.
“Als Lobbyist läuft gar nichts glatt,
ich glaub ich werde Bäcker.”

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071. Menschenrechtsaktivist

Herr Muster kämpft für’s Menschenrecht
und gegen Unterdrückung.
Ergeht es einem Menschen schlecht
gerät er in Verzückung.

Dann steht er gleich vor’m Supermarkt
mit Klemmbrett, Block und Stiften
und sammelt, bis man ihn verjagt,
oft 20 Unterschriften.

Auf Demos kennt ihn jeder schon.
Dort zupft er stolz die Klampfe.
Mit Transparent und Megaphon
ruft er das Volk zum Kampfe.

Doch weil es ihn sofort vergisst
kann er nicht viel erreichen.
Er wird Atomkraft-Lobbyist
und geht nun über Leichen.

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070. Seemann

Herr Muster ist der Seefahrt treu.
Auf einem Frachtschiff heuert
er an, steht steif, brüllt laut: „Ahoi!
Die Kessel angefeuert!“

Kaum das er merkt, wie ihm geschieht,
steht er in der Kombüse.
Die Kessel seien sein Gebiet,
nun schnibbelt er Gemüse.

Er schält, er brät, er spült und putzt,
schabt Faserfleisch von Knochen
und fühlt sich etwas ausgenutzt –
das Schiff fährt 40 Wochen.

Eine Seefahrt, die ist heiter,
doch der Spaß ist bald vorbei.
Nun macht er als Fighter weiter,
gegen Qual und Tyrannei.

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Papst to go #02

Es schockt der Papst, er legt sein Amt,
im Februar danieder…
Doch ahnt, wer nicht von Gott verdammt:
Zu Ostern kommt er wieder…

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Papst to go #01

Der Papst tritt ab und wird zum Ex.
Ein Schelm ist, wer hier Böses denkt,
wenn unser Herr zu Pontifex
das Kreuz nun an den Nagel hängt.

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069. Gewerkschaftschef

Herr Muster packt Probleme an!
Als kluger Zeitgenosse
und Sprachrohr für den kleinen Mann
bekämpft er dreiste Bosse.

Der Widerstand ist Kern-Mission;
für Urlaub und mehr Geld.
Mit Streik und rauem Umgangston
verändert man die Welt.

Doch wenn die Sache eskaliert
und ein Betrieb macht zu. Dann
wird er von allen attackiert
und endet stets als Buhmann.

Zuviel Kritik ist nicht gesund.
Der Job war eine Pleite.
Er heuert auf ’nem Schiff an und
sucht auf dem Meer das Weite.

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068. Staubsaugervertreter

Herr Muster klopft an Türen an,
preist sein Produkt und lächelt:
„Es saugt und bläst der Mustermann,
wo Mutti sonst schon schwächelt!“

Er lässt nicht eine Wohnung aus,
vollführt den Sauber-Zauber
und saugt den Muttis Hof und Haus
mit seinem Sauger sauber.

Nur kauft kein Mensch den „Mustermann“,
doch drängen ihn die Frauen,
er finde sicher Lust daran,
erneut vorbei zu schauen…

Die Stube rein, die Mutti hofft,
nur Muster ist beleidigt.
Weshalb er im Gewerkschaftsloft,
nun Zunft für Zunft verteidigt.

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Reihertag

Sylvester säuft der Reiher Wein,
doch reihert in den Weiher rein,
und würgt und speit und spuckt schlecht.
Er ist eben kein Schluckspecht!

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Bösands Jahresrückblick 2012

www.philipboesand.de

Es beklagt die Bundesspitze:
“Eine kleine Zaster-Spritze
wird ja wohl genehmigt sein?!“
Vater Staat meint: leider nein.
Chris und Betti weichen edel
aus dem Haus in Großburgwedel
und der BILD-Gelehrte winkt.

Kreuzfahrtdampfer leckt und sinkt,
was auch Tote mit sich bringt.
Hier hilft auch kein S.O.S. –
macht dem Käpt’n den Prozess.

Ja, mit Recht ist nicht zu spaßen.
Acta lockt uns auf die Straßen,
weg vom fiesen Web ins Freie,
dass man „Bin dagegen!“ schreie.

Russen-Pussys singen lieber
Anti-Putin-Demo-Lieder,
doch bald pfeifen diese Flittchen,
bloß „Kalinka“ noch im Kittchen.

Ihre Lage: festgefahren.
Kann Jan Ullrich Ehre wahren?
Nein, er schleift mit platten Reifen
übern matten Seitenstreifen,
dass er in die Hölle fahre!
Schluss mit „Doping für die Haare“,
Richter spricht den Ullrich schuldig!

Nur Europa bleibt geduldig.
Öffnet, so wie Mary Poppins,
seine Schirme, alle hopp ins,
warme, weiche und liquide
Euro-Boot, denn hier herrscht Friede.

Und die Götter? Oh, sie wüten!
Die verdrängten Drachme-Mythen,
diese dreisten Drohgebärden,
scheinen nun Gewahr zu werden.
Unter griechischem Geheule
schwingt das Land die Nazi-Keule.
Geiz scheint nur in Deutschland geil,
Merkel wird die Schuld zuteil.

Schweigen ist mitunter Gold…
Hollywood dagegen zollt
dieser Weisheit ihr Tribut
und verleiht nun wohlgemut
einem stummen Film mit Kläffer
fünf mal Gold – ein voller Treffer!

In Toulouse wird scharf geschossen,
und Total guckt leicht begossen,
weil ein Bohrloch Gas versprießt
und das Leck den Ruf vermiest.
Was, wenn sich das rumerzählt?
Guckt mal, dort wird Gauck gewählt!

Preist den elften Präsidenten
Gab’s ne Wahl und Kontrahenten?
Quatsch, so etwas regelt smart,
man auf harte Ostblock-Art:

Putin mogelt, trotz Gestänker,
sich erneut zum Landes-Lenker.
Günter Grass veröffentlicht
nebenher ein Quatschgedicht.

In New York kommt, 1, 2, 3,
der vermutlich letzte Schrei,
Edvard Munch’s für Geld und Gunst
untern Hammer – das ist Kunst!

Sarkozy lässt, nicht mehr munter,
nun die letzte Hose runter
und muss müde gratulieren,
will schon wieder erigieren
(ups, verschrieben, kann passieren)
denn Hollande will… äh … regieren.

Merkel schmeißt nach Lehrer-Sitte
Röttgen raus – der nächste Bitte.
Richtung Abschluss geht der Trend,
Schleckermann ist insolvent.

Facebook aber hat’s kapiert,
kontrolliert uns und kassiert
nun auch an der Börse – strike!
Zuckerberg klickt keck „I like!

Gibt’s noch Tradition und Sitten?
Selbstverständlich: in Great Britain.
Glückwunsch, Mam, zu 60 Jahren!
Seht, da wird schon mit Fanfaren
jene Fackel stolz entflammt
und mit ihr durch’s Land gerannt.

Um mit hunderttausend Leuten,
nun die Spiele einzuläuten,
hopst die Queen, den Vögeln gleich,
mit James Bond aufs Königreich.

Bitte mehr solch taffe Taten!
Ein Blick rüber auf die Staaten.
Gegenspieler Romney kichert:
„Offensichtlich Zwangsversichert“,
doch Obama übergeht ihn,
bleibt im Amt und übersteht ihn.

Deutschland schachert um Organe,
Amis pushen Sex-Romane,
Peitschen, Lack- und Lederkleidung,
nur Tom Cruise steht mehr auf Scheidung.

Markenmacht und Schotter-Gier?
Red Bull schließt das Helmvisier
und schon siegt der Basti, Vettel
Gegen Rot im letzten Battle.
Red Bull schließt den Werbe-Bügel
und verleiht Baumgartner Flügel.
Mutig ist er, Felix heißt er,
Spanien wird Europameister.

Lanz schlüpft in den Gottschalk-Schuh,
doch kriegt nicht die Senkel zu.
Berlusconi: Einzelhaft,
Kate und William: Schwangerschaft,
Hilfe! Kate ist plötzlich schlecht!
Hatten doch die Maya recht?
Rheinland-Pfalz ruft: „Bye, bye, Beck!“,
18 Jahre, weg vom Fleck.

Ebenfalls zurückgetreten,
sind, wenngleich auch ungebeten,
Doktor Sommer, Donna Summer,
„Hot Stuff“ war der Oberhammer.
Wir sind für ihr Schaffen dankbar,
Hagmann, Struck und Ravi Shankar.
Houston singt den letzten Hit,
Armstrong macht den letzten Schritt.
Niemals warn die Hüften steif,
Robin Gibb will stay alive
und Dirk Bach macht Schluss mit Scherzen,
heiße Weihnacht wärmt die Herzen.

Liebes Jahr, es gab auch Gutes,
nimm das Schlechte kühnen Mutes,
reflektier es und bereu es
und dann rufe: frohes Neues!

(www.philipboesand.de)

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