056. Babysitter

Herr Muster möchte Sitter sein,
für Kinder, groß- und kleine.
Dann läd er kesse Witwen ein
und flunkert: „Das sind meine!“

Er wird zum Held der Witwenwelt,
bestellt sie in die Kiste.
Er will ihr allerbestes: Geld –
führt über beides Liste.

Die Kinder sind zum Dienst verdammt,
da keift ein radikales,
Witwenweib: „Ich komm’ vom Amt,
für »Jugend und Soziales«!“

Als Strafe muss das Musterlein
Sozialarbeiten leisten
und sittet im Seniorenheim
die Alten und Vergreisten.

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Reaktionsschwächen

oder »Die Leiden des jungen Dichters« (für Philip)

Wenn jemand ein Gedicht erzählt,
hält mancher Mensch den Atem an.
Ein and’rer schaut doch recht gequält,
denn er hat keinen Spaß daran.
Ein dritter sprüht vor Emotion
er applaudiert ganz ohne Zwang.
Das ist des Dichters wahrer Lohn:
Ein Publikum voll Tatendrang.

Doch gibt es leider Hörerschaft,
und jene hat man dann und wann
die schweigen mit Zerstörer-Kraft,
und dem Poet wird Angst und Bang’.
Sie klatschen nicht, sie buhen nicht,
verharren reglos stundenlang.
Sie quatschen nicht, doch tuen schlicht
als wär’ die Lesung nicht im Gang.

Ja, diese Welt ist ungerecht!
Schlimm, was alles geschehen kann.
Ein Tag ist gut, ein anderer schlecht
und ändern kann man nichts daran.
Jedoch wenn die Verzweiflung droht
und es erklingt der Abgesang,
bekämpft der Reimeschmied die Not
zur Rettung vor dem Untergang.

Er schockt seine Besucher schnell
mit Pyroblitz und Sprechgesang,
trägt dazu nur ein Bärenfell
und brüllt ohne Zusammenhang
in einem fort durchs Megafon.
bis jeder Gast nur flucht und zankt.
So kriegt er endlich Reaktion:
War das denn jetzt zu viel verlangt?

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055. Orthopädietechnikermeister

Herr Muster wagt ’nen neuen Start
im Zweig »Gesundheitswesen«
und nutzt nun jede Kaffeefahrt
zum Absatz von Prothesen.

Beim Arzt und im Seniorenheim
da dreht er seine Runden,
umwirbt mit List und viel Geschleim’
die kaufkräftigen Kunden.

Für diese baut er schliesslich fix
aus Styropor und Pappen
in seinem Hobbykeller nix
als Hüftgelenk-Atrappen.

Jedoch der nächste Tag schon zeigt:
Die Kundschaft schätzt kein Schwindeln.
Mit Alten hat er’s sich vergeigt,
so wechselt er nun Windeln.

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054. Schlachter

Herr Muster möchte Schlachter sein,
er liebt es sehr zu teilen.
Dies tat im Freizeit-Schlachtverein,
einstweilen er mit Beilen.

Nun macht er Hobby zum Beruf –
was kann es bessres geben?
Er teilt für Geld, was Gott erschuf –
Es lebe hoch sein Leben!

Er manscht und panscht zu einem Brei,
presst Fleisch- und Knochenreste;
darauf bewirbt die Metzgerei:
“Vom Fleisch hier nur das Beste!“

Doch er entzweit vor lauter Schneid,
den Daumen sich, schreit: „Aua!“
Geteiltes Leid ist halbes Leid; -
Er wird Prothesenbauer.

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053. Straßenkünstler

Herr Muster liebt die Massen sehr,
noch mehr ihre Moneten.
Ab heute wird in Gassen er
zum Publikumsmagneten.

Er unterhält mit Witz und Charme,
Artistik und Jonglage.
Doch klatscht das Publikum zu lahm
bringt ihn das schnell in Rage.

Was schlecht ist, wenn man balanciert
auf Stahlseilen im Regen
und zusätzlich noch blind jongliert
mit vierzehn Kettensägen.

Bevor er sich noch selbst zerfetzt
und aussieht bald wie Labskaus
zerlegt er lieber Tiere jetzt
und jobbt fortan im Schlachthaus.

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052. Möbelverkäufer

Herr Muster macht berufsbedingt
mal wieder von sich Reden.
An Jedermann aus Deutschland bringt
er Mobiliar aus Schweden.

Doch dabei ist er produktiv.
Er zimmert mit viel Tücke,
aus Massenware, kreativ,
skurrile Einzelstücke.

Das passt dem großen Möbelhaus
natürlich nicht, deswegen,
vermöbelt man und schmeißt ihn raus, -
das kommt ihm grad gelegen.

Das matrielle Möbel-Feld
war ohnehin ein Reinfall.
Die Straßenkunst ist seine Welt,
und sein Gehalt der Beifall.

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051. Gefängniswärter

Herr Muster sperrt gern Diebe ein
und lässt Verbrecher zittern.
Meist enden Raub und Schiebereien
bei Muster hinter Gittern.

Er patrouilliert mit strenger Pflicht,
lässt keinen aus den Augen.
Weil schwere Jungs aus seiner Sicht
nur für Probleme taugen.

Doch weiss er auch: Es rollt sein Kopp,
käm es zu einem Aufstand.
So wechselt er aus Angst den Job
und setzt sich ab ins Ausland.

Denn manchmal bricht der Pöbel aus,
trotz Stacheldraht und Minen.
So wirbt er jetzt im Möbelhaus
für schwedische Gardinen.

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Bösands Jahresrückblick 2011

Diesmal auch zum Anhören. Einfach HIER KLICKEN und lauschen.

Tanker kippt an Rheines Klippen;
Hängt noch wer an Pochers Lippen?;
Guttenberg erwischt beim Spicken;
Japans Girls sind Top im Kicken;

Ben Ali verliert die Zügel;
Deutscher U-Bahnhof gleich: Prügel;
Wieder Wale abgeschlachtet;
auch Mubarak wird entmachtet;

China schwingt zur Wirtschaftsmitte,
Amis kriegen feuchte Schritte;
Heidi schielt Yvonne die Schau;
Kachelmann entflieht dem Bau;

Auch die Welt schielt nach Great Britain:
William darf sein Kätchen bitten;
Beben, Stürme, Fukushima
schuldig ist allein das Klima;

Kerne schmelzen, Stäbe strahlen;
Merkel dreht sich, bald sind Wahlen;
USA entdeckt Verstecke,
knallt Bin Laden um die Ecke;

Auch Gaddafi: abgeschossen;
Todesangst vor Ehec-Sprossen;
Und Strauss-Kahn hofft auf Verklärung
(Sex ist keine harte Währung);

Bunga Bunga: geile Boni,
ergo: aus für Berlusconi;
Party geht auch ohne Freier,
Thessa lädt zur Facebook-Feier;

Afrika schreit: „Nahrung bitte“;
Und in London brennt die Mitte;
Doch der Tod dreht seine Runde:
Falk und Winehouse schlägt die Stunde,

Eichinger und Taylor: hops,
Alexander oder Jobs,
Holeri du dödel di…” –
Loriot wir lieben sie;

Deutschland trägt den Trauerschleier;
Und was bleibt? Nur harte Eier,
mild gewürzt durch Dioxine,
böses Spiel zu müder Mine;

Rettungsschirme, Euro-Krise,
Rating-Fazit: Mega-Miese;
Griechenland und Sparmaßnahmen?;
Papst und Ökumene? Amen!;

Hisst die Flagge der Piraten;
Wulff nimmt Geld für Haus mit Garten;
Darf’s ein neuer Bahnhof sein?
Stuttgart brüllt ein klares: Jein!;

Vater Rhein spuckt Kriegsgeschosse;
Landet Gottschalk in der Gosse?
Nein, ein neues Lüftchen weht;
Christkind kommt und Jopi geht.

Liebes Jahr, es gab auch Gutes,
nimm das Schlechte kühnen Mutes,
reflektier es und bereu es
und dann rufe: frohes Neues!

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050. Yogalehrer

Herr Muster wird oft angefleht:
„Ich willsu Gott, verstehse!?“
Und weil er das sehr gut versteht,
führt er sie zur Askese.

Im Lotus ruft die Gruppe keck,
aus selbstgeheilten Kehlen,
ihr Mantra zum Selbstfindungszweck,
und für befreite Seelen.

Die Lehre, die dies Heil verspricht,
vermittelt er an Dritte.
Er selbst findet Berufung nicht,
geschweige seine Mitte.

Soll heißen, er sucht weiter nach,
für ihn gerechten Stellen.
Nun treibt er den, der was verbrach,
hinein in Zuchthauszellen.

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Krieg der Welten

Der Mensch neigt in der Regel zwar
zu Redlichkeit und Gut statt Schlecht.
Doch nimmt man davon nichts mehr wahr
bekommt er nicht sein gutes Recht!

Denn auf dem Ohr der Toleranz
sind viele taub und hören schwer.
Für sie zählt Meinungs-Dominanz
im Kommunikationsverkehr.

Am besten wird dies illustriert
im täglichen Beziehungsstress.
Da wird zerredet, ignoriert,
und ausgemerzt bis zum Exzess,

der andere Standpunkt ungerührt
verleugnet und nicht anerkannt.
Das dies schnell zu Problemen führt
liegt offensichtlich auf der Hand.

Denn wenn ein Mann dies hohe Gut
der Herzens-Dame nicht gewährt
braust sie gleich auf und schäumt vor Wut.
als macht der Mann hier was verkehrt.

Dasselbe gilt auch wenn die Frau
dem Ehegatten widerspricht.
Denn es kommt gleich zum Super-GAU
kriegt er mal seinen Willen nicht.

Erschwerend kommt der Punkt hinzu:
Es gibt fast immer Grund zum Zank.
Im Ehekrieg gibt’s kein Tabu.
Kurzum: Die Nerven liegen blank!

Das geht schon los, zum Beispiel mit
der Frage der Krawattenwahl.
Der Mann denkt: Rot, das wär der Hit!
Die Frau fänd rosa optimal.

»Wie? Rosa? Was soll das denn jetzt?
Das ist mir viel zu feminin!«
sagt er, worauf sie, leicht verletzt,
entgegnet, rot sei nichts für ihn.

»Doch ist es!«, spricht der Mann zu ihr
und regt dort schon die erste Wut.
»Jetzt hör doch auf den Rat von mir:
Das rosa steht Dir wirklich gut!«

Er ignoriert den letzten Satz,
stärkt die Entscheidung, die er traf:
»Ich weiß es hier halt besser, Schatz,
Und jetzt sei bitte still und brav!«

Nun wird es ihr zu viel, sie faucht:
»Die Wahrheit ist jetzt vielleicht hart:
Für einen Schlips in rot da braucht
man Power, Stärke und Format!«

Der Mann, der guckt erst leicht geschockt,
doch holt dann aus zum Gegenschlag.
»Pink hat als Farbe nie gerockt!
Das seh ich an Dir – jeden Tag!«

Und er legt nach: »Nur weil Dein Ex
beim Kleidungskauf für dich und sich
ein Looser war – wie auch beim Sex –
gilt das noch lange nicht für mich!«

»Mein letzter Mann«, droht jetzt die Frau
»der hatte wenigstens noch Geld!
Und Du bist nur ’ne faule Sau
doch hältst Dich für den Superheld!

Glaubst Du bist klug, doch laberst rum.
Mir scheint es immer öfter, dass
Du denkst ich wär zwar hübsch, doch dumm!«
spricht aus der Frau nun blanker Hass.

»Was heisst hier hübsch? Das war einmal!
Heut bist Du hässlich wie die Nacht.
Dich anzuschauen ist ’ne Qual.
Was hab ich mir da angelacht?«

fragt sich der Mann in einem fort.
»Ich will die Scheidung, Du Idiot!«
Zwar hat die Frau das letzte Wort
doch er wählt seinen Schlips in rot.

Wovon wir gerade Zeuge war’n
war ein verbaler Schlagabtausch.
Emotionale Achterbahn
durch Ignoranz im Dauer-Rausch.

So endet oft ein kleiner Streit
anstatt in den vier Wänden schlicht
nach überraschend kurzer Zeit
beim zuständigen Landgericht.

Und hier da kämpfen sie noch mehr
und klagen laut von ihrem Leid
Mit rotem Schlips und Anzug er
und sie in Ihrem rosa Kleid.

Der kluge Richter schickt sie weg
und spricht »Jetzt habt Euch wieder lieb!
Der Staat schuf doch zu diesem Zweck
das Subsidiaritätsprinzip.

Und dies besagt, es wär’ doch toll,
Probleme, die man voll und ganz
alleine lösen kann auch soll
anstatt ’ner höheren Instanz.

So geht nun heim und klärt dann klipp
und klar das dumme Farbproblem.
Und schliesslich noch ein kleiner Tipp:
Blau würde euch viel besser steh’n!«

Auf dem Nachhauseweg, genau,
sind sie schon fast wieder vereint.
Denn was der Typ da meinte – blau! –
das war ja wohl nicht ernst gemeint.

Er sagt »Die Farbe hat kein Stil!«
Sie sagt »Die Farbe hat kein Reiz!«
Uns so beginnt das Wechselspiel
auch schon von neuem beiderseits.

»Ich hoffe«, führt er weiter aus,
»dass Du so etwas nie erwägst!
Dafür ertrag ich auch zu Haus
ein rosa Kleid wie Du es trägst.«

Und sie erwidert »Gott sei Dank,
zum Glück trägst Du ja gerne rot.
Bei blauem Zeug in Deinem Schrank.
wär’ ich am liebsten sofort tot!«

Dann stellt er fest mit einem Mal
»Das Rosa ist ja total in.
Und Du siehst gar nicht öd und fahl
sondern recht sexy aus darin!«

Und sie erkennt jetzt völlig baff
»Das Rot strahlt intensiv und hell.
Es macht Dich männlich, cool und taff.
Laß uns schnell heim gehn, Du Rebell!«

Und plötzlich da bemerken Sie
die neugewonnene Einigkeit
und fühlen sich bisweilen wie
verwandte Seel’n im Fluß der Zeit.

Obwohl es gab bis fast zuletzt
um rot und rosa einen Zwist,
vereint sie ein Gedanke jetzt,
denn beide sagen »Blau ist Mist!«

Dies kleine Schauspiel führte uns
zur jener Lebensweisheit ran,
die praktisch jeder Hinz und Kunz
in dieser Welt erleben kann.

Denn sind zwei Meinungen mal bloß
nicht gleich gibt es schon Ungemach.
Da diskutiert man rücksichtslos
und nicht ein Kontrahent gibt nach.

Doch kommt ein Dritter mit ’ner Sicht
die kreuzt der Beiden Theorien
ja dann verbünden sie sich schlicht
zum Kampf gemeinsam gegen ihn.

So lässt sich das Prinzip erkenn’
bei jedem Mensch in jedem Stamm:
Auch wenn verschiedene Meinungen trenn’,
die selbe Meinung schweisst zusamm’!

(Gedicht zum Wort »Subsidiaritätsprinzip« – vorgeschlagen von Henrik S.)

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